Sternbrücke, 22769 Hamburg info@initiativesternbruecke.org

Das MonsterClubhaus“

Holter di polter!
Der Folgefehler der unerträglichen MonsterBrücke.
Die Stadt Hamburg proudly presents: Das „MonsterClubhaus

Die Stadt Hamburg und Projektentwickler Schierhorn haben mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Bahn den Clubs am Standort Sternbrücke einen Bärendienst erwiesen. Die Senatoren verfolgen hier das durchsichtige Interesse, ihrem von vielen Seiten kritisierten Neubauplan einen positiven Spin zu geben. Das MonsterClubhaus steckt zwar voller Ideen, ist aber nicht zu Ende gedacht und es lässt wesentliche Teile der Sternbrückenkultur außen vor.

Die Initiative Sternbrücke setzt sich für den Erhalt der Kultur an der Sternbrücke ein. Die Clubs sind ein Teil dieser Kultur. Anstatt sich für den Erhalt der Brücke einzusetzen und damit auch für den Erhalt ihrer einmaligen Räumlichkeiten in den Kasematten und unter der Brücke, haben die Clubs ein Geschäft mit der Stadt und der Bahn gemacht:

Die Clubs an der Sternbrücke akzeptieren den Abriss eines Denkmals, sie akzeptieren den Abriss von Häusern, sie akzeptieren die Schließung ihrer Räumlichkeiten, sie akzeptieren eine von den Dimensionen und der Gestaltung völlig unpassende Monsterbrücke an der Sternbrücke… – und bekommen dafür ein „MonsterClubhaus“. Mit dieser Planung machen sie kurzerhand das an gleicher Stelle befindliche Künstlerhaus Faktor und auch die Bar227 ohne jede Vorwarnung und Rücksprache platt.

Mal wieder „vergessen“: Bürger:innenbeteiligung

Wie schon bei der Monster-Brückenplanung wurden Anwohner:innen und wichtige Betroffene völlig übergangen. Es gab zu keinem Zeitpunkt Kommunikation über die Clubhaus-Planung, niemand wurde informiert. Die zuvor mehrfach schriftlich und mündlichen gemachten Versprechen (etwa von Verkehrssenator Anjes Tjarks oder der Altonaer Bezirksamtsleiterin Stefanie von Berg), bei der weiteren Umgebungsgestaltung der Brücke die Anwohner:innen im Viertel miteinzubeziehen – und die Fehler bei der Brückenplanung nicht zu wiederholen – sind gebrochen worden.

Wir sind extrem irritiert, dass Senat und Bezirksamt dieses Grundstück in einem intransparenten und strategisch motivierten Verfahren vergeben wollen. Die Deutsche Bahn AG hat nach eigenen Aussagen die Planung mitfinanziert. Es entstand sehr geschickt ein Zusammenhang, den es eigentlich gar nicht gibt: „Eine Rettung der Clubkultur an der Sternbrücke ist nur mit einem Brückenneubau möglich“. Das ist aus unserer Sicht in mehrfacher Hinsicht nicht richtig: a) Es kann auch eine Rettung von Clubs bei Erhalt der alten Brücke geben – und sogar ein Clubhaus und b) es ist nicht klar ob die Räume in den Kasematten bei einer Brückensanierung (und gerade dann) nicht doch zur Verfügung stehen und nutzbar sind.

Ein Ort für Kultur bedingt keinen Brückenneubau

Die bei der Expertenanhörung von Professor Werner Lorenz im Dezember ausgeführten Aspekte, dass ein Neubau der Sternbrücke ökologisch, finanziell und städtebaulich eine Katastrophe sind, geraten inzwischen völlig aus dem Blick. Tatsächlich wird hier seitens der Politik der Versuch unternommen, die Zerstörung eines Baudenkmals und ein umstrittenes Brückenprojekt durch ein (wie auch immer geartetes) Clubhaus zu legitimieren, ungeachtet des noch laufenden Planfeststellungsverfahren für den Neubau der Brücke. Diese neue Brücke ist aber noch nicht gebaut, ja, sie ist noch nicht einmal genehmigt.

Bisher vorgelegt wurde ein erster Entwurf für ein neues Clubhaus auf dem städtischen Grundstück an der Ecke Max-Brauer-Allee/ Stresemannstraße. Dieser Entwurf ist in Dimension und Masse als direktes städtebauliches Pendant zur geplanten Stabbogenbrücke konzipiert. Die Idee des Architekten, alten Klinker und andere Materialien aus dem Abriss der denkmalgeschützten Brücke in die Fassade zu integrieren, spricht für sich.

Wir sind bestürzt und betrübt, wie die Stadt mit dem Kulturort Sternbrücke umgeht. Mit dem Brückenneubau und dem geplanten monströsen Clubhaus verschwindet sowohl ein wertvolles Baudenkmal und auch die Sternbrückenkultur so wie sie gewachsen ist. Die Kultur wird nicht gerettet! Vielmehr entsteht mit dem Clubhaus ein weiterer Fremdkörper, der ohne weitere Rücksicht und Bürger:innen dieses Viertel implementiert werden soll – wie schon die überdimensionierte Brücke.

Keine phantasievolle Kultur, sondern Monster-Club-Kommerz

Das Konzept des Clubhauses wurde uns vor einigen Tagen von John Schierhorn präsentiert. Wir sind von diesem Konzept nicht überzeugt. Phantasievolle, vielfältige und bürgernahe Kulturkonzepte sehen wir hier bisher nicht. Daher ist der Projekttitel folgerichtig Clubhaus (und nicht Kultur-Haus). Das direkte Nebeneinander der Sternbrückenclubs in einem Clubhaus erhält die (bestehenden) Clubs nicht. Es erschafft etwas Neues. Die Verlagerung der Clubs mit ihrem einmaligen Ambiente mag auf dem Papier und in einem schwungvoll verfassten Konzept funktionieren – nicht aber zwingend in der Realität.

Die Idee des MonsterClubhauses wird vor allem von John Schierhorn in seiner Rolle als Projektentwickler vorgetragen wird. John Schierhorn ist gleichzeitig Mitgesellschafter des Waagenbaus. In jedem anderen Kontext würde die Politik um eine solche Konstellation einen großen Bogen machen.

Die Initiative Sternbrücke setzt sich für einen Erhalt der Sternbrückenkultur und der Kultur an der Sternbrücke ein. Die Sternbrückenkultur soll vielfältig und bunt sein und nicht durch einen Club-Supermarkt dominiert werden, welcher durch eine Kita, Proberäume und die Büros von ein paar gemeinnützigen Organisationen flankiert wird. Wir wollen kein Monsterclubhaus als Begründung für eine Monsterbrücke. Wir stehen weiterhin für den schonenden Umgang mit Ressourcen und den Erhalt ursprünglich gewachsener Kultur.

Wir fordern:

  1. Trennung von Nutzer:inneninteressen und Projektplanung – Ausschreibung der Projektplanung für ein gemeinnütziges Kulturhaus an der Sternbrücke.
  2. Zielbild: Stadtteilkultur und Sternbrückenkultur mit lokaler Prägung und überregionaler Wirkung – und nicht einen Club-Supermarkt.
  3. Beteiligung der Anwohner:innen und direkt Betroffenen an der Konzeption und Gestaltung des Clubhauses.